Leitfaden zu Gelenkschmerzen

Gelenke: Aufbau und Funktion

Gelenke sind komplexe Strukturen, an denen Knochen aufeinandertreffen. Sie ermöglichen Bewegungen und geben dem Körper Stabilität. Zu ihren Bestandteilen gehören:

  • Knorpel (ein glattes, stoßdämpfendes Gewebe),
  • Gelenkflüssigkeit (dient als Schmiermittel),
  • Bänder (verbinden Knochen miteinander) und
  • Sehnen (verknüpfen Muskeln mit Knochen).

Große Gelenke wie Schultern, Hüften, Ellbogen und Knie machen alltägliche Bewegungen wie Laufen, Heben oder Drehen möglich. Die Bauweise eines Gelenks bestimmt seine Beweglichkeit: So erlauben Kugelgelenke (z. B. Hüfte) rotierende Bewegungen, während Scharniergelenke (z. B. Knie) nur Beugen und Strecken zulassen.

Gelenkschmerzen: Ursachen und Hintergründe

Gelenkschmerzen, medizinisch Arthralgie genannt, äußern sich als Beschwerden, Steifigkeit oder Entzündungen in einem oder mehreren Gelenken. Oft sind sie harmlos und lassen sich zu Hause lindern – manchmal jedoch weisen sie auf ernste Erkrankungen hin, die eine ärztliche Abklärung erfordern.

Mögliche Ursachen:

  • Verletzungen (z. B. Zerrungen oder Verstauchungen),
  • Überlastung durch wiederholte Belastung,
  • systemische Erkrankungen wie Arthrose (Gelenkverschleiß) oder Autoimmunerkrankungen (z. B. Rheuma).

Akute Schmerzen treten meist nach Unfällen oder abrupten Bewegungen auf. Chronische Beschwerden hingegen deuten oft auf fortschreitende Prozesse wie Gelenkverschleiß oder Entzündungen hin.

Hauptursachen von Gelenkschmerzen

Arthritis
Die häufigste Ursache für Gelenkschmerzen ist Arthritis, ein Sammelbegriff für über 100 Erkrankungen. Die beiden bekanntesten Formen sind:

  • Osteoarthritis (OA) : Entsteht durch Knorpelabbau, betrifft belastete Gelenke wie Knie oder Hüfte und hängt mit Alter, Übergewicht oder Verletzungen zusammen. Laut der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) leiden Millionen von Erwachsenen in Deutschland daran, häufig ab dem 40. Lebensjahr. Mehr zur OA erfahren.
  • Rheumatoide Arthritis (RA) : Eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem die Gelenkschleimhaut angreift. Die Deutsche Rheuma-Liga schätzt, dass über 800.000 Menschen in Deutschland betroffen sind, vorwiegend Frauen. Symptome und Therapie bei RA.

Entzündliche und Autoimmunerkrankungen

  • Bursitis : Entzündung der Schleimbeutel (schützen Gelenke), häufig an Schulter oder Ellenbogen.
  • Gicht : Durch Harnsäurekristalle in den Gelenken (oft Großzeh), ausgelöst durch Ernährung oder genetische Faktoren. Die Deutsche Gesellschaft für Gicht und Hyperurikämie erklärt Ursachen und Behandlung.
  • Lupus : Systemische Autoimmunerkrankung mit Gelenkentzündungen. Die Deutsche Lupus Gesellschaft beschreibt Auswirkungen auf den Körper.

Infektionen und Verletzungen

  • Septische Arthritis : Bakterielle oder virale Infektionen (z. B. Borreliose, Hepatitis) können Gelenke befallen. Sofortige ärztliche Hilfe erforderlich!
  • Verletzungen : Zerrungen, Brüche oder Verrenkungen schädigen Gelenkstrukturen direkt.

Stoffwechsel- und Systemerkrankungen

  • Osteoporose : Schwache, poröse Knochen erhöhen Bruchrisiko und belasten angrenzende Gelenke. Mehr zum Thema: Dachverband Osteologie (DVO) .
  • Fibromyalgie : Chronische Schmerzen in Muskeln und Gelenken, verbunden mit erhöhter Schmerzempfindlichkeit. Der Deutsche Fibromyalgie-Verband informiert.

Seltene Ursachen

  • Sarkoidose : Entzündliche Knötchen (Granulome) können Gelenke betreffen.
  • Rachitis : Vitamin-D-Mangel führt zu weichen Knochen. Das Robert Koch-Institut (RKI) gibt Hinweise zur Prävention.

Symptome von Gelenkschmerzen

Die Beschwerden variieren je nach Ursache:

  • Lokalisierte Beschwerden : Dumpfer Schmerz, Steifigkeit oder stechende Schmerzen bei Bewegung/Ruhe.
  • Entzündungszeichen : Schwellung, Rötung, Überwärmung oder Druckempfindlichkeit (typisch für Arthritis oder Bursitis).
  • Bewegungseinschränkung : Eingeschränkte Beweglichkeit durch Strukturveränderungen oder Entzündungen.
  • Systemische Symptome : Fieber, Müdigkeit oder Gewichtsverlust, die auf Autoimmunerkrankungen (z. B. RA, Lupus) oder Infektionen hinweisen können.

Wann sollten Sie einen Arzt aufsuchen?

Suchen Sie medizinische Hilfe, wenn:

  • Anhaltende Schmerzen : Beschwerden länger als drei Tage ohne Besserungstendenz bestehen.
  • Unerklärliche Symptome : Fieber ohne grippale Symptome, was auf eine septische Arthritis oder Autoimmunerkrankung hindeuten kann.
  • Sichtbare Anzeichen : Schwellungen, Rötungen oder Überwärmung des Gelenks (Hinweise auf Entzündung oder Infektion).

Notfälle

Gehen Sie sofort in die Notaufnahme , falls:

  • Schwere Traumata : Ein Sturz oder Schlag verursacht starke Schmerzen oder Fehlstellungen (z. B. Brüche, Verrenkungen).
  • Plötzliche Schwellung oder Bewegungsunfähigkeit : Mögliche Anzeichen für ein Kompartmentsyndrom oder gerissene Bänder.
  • Deformität : Sichtbare Gelenkverformung durch akute Verletzung oder fortgeschrittene Arthritis.

Diagnose von Gelenkschmerzen

Eine systematische Untersuchung klärt die Ursache:

Klinische Bewertung :

  • Körperliche Untersuchung : Beurteilung von Beweglichkeit, Schwellungen und Druckempfindlichkeit.
  • Anamnese : Dauer der Beschwerden, Auslöser (z. B. Überlastung) und Begleitsymptome (z. B. Morgensteifigkeit bei RA).

Bildgebende Verfahren :

  • Röntgenaufnahmen : Erkennen Knochenbrüche, Verschleiß (Arthrose) oder Gelenkdegeneration.
  • MRT/CT : Zeigen Schäden an Weichteilgewebe (z. B. Sehnenriss) oder frühe Entzündungen.

Labortests :

  • Blutuntersuchungen :
    • Rheumafaktor und Anti-CCP (spezifisch für rheumatoide Arthritis).
    • ANA (Antinukleäre Antikörper bei Lupus).
  • Entzündungsmarker : Erhöhte CRP-Werte oder Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) weisen auf systemische Entzündungen hin.
  • Gelenkflüssigkeitsanalyse : Entnahme von Synovia zur Diagnose von Infektionen (z. B. Bakterien) oder Gicht (Harnsäurekristalle).

Haus- und Lebensstilmaßnahmen

Medikamentöse Linderung

  • Äußerliche Schmerzmittel : Cremes oder Gele mit Capsaicin (aus Chili-Pfeffer) oder NSAR (z. B. Diclofenac-Gel) blockieren Schmerzsignale. Laut der Deutschen Rheuma-Liga eignen sie sich bei leichter bis mittelschwerer Arthrose.
  • Oral einnehmbare NSAR : Rezeptfreie Mittel wie Ibuprofen oder Naproxen bekämpfen Entzündungen, bergen aber Risiken bei langfristiger Einnahme (Magen-Darm-Probleme, Herz-Kreislauf-Belastung). Mehr dazu beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) .

Bewegung

  • Gelenkschonende Aktivitäten : Schwimmen, Radfahren oder Walking stärken die Muskulatur. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) empfiehlt 150 Minuten moderate Bewegung pro Woche.
  • Dehnübungen : Yoga oder Tai Chi verbessern Beweglichkeit. Eine Studie der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) zeigt, dass Yoga RA-Schmerzen um 30 % reduziert.

Gewichtsmanagement

Übergewicht belastet Knie und Hüften. Bereits 10 % Gewichtsreduktion halbieren Arthrose-Schmerzen, so die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) .

Wärme-/Kältetherapie

  • Wärme : Warmwasserbäder oder Wärmflaschen lockern steife Gelenke.
  • Kälte : Kältepackungen lindern akute Entzündungen. Physio-Deutschland gibt Tipps zur Anwendung.

Schonung und Haltung

Vermeiden Sie Überlastung. Ergonomische Anpassungen (z. B. orthopädische Stühle) reduzieren Alltagsbelastungen.

Medizinische Behandlungen

Diagnostik und Therapie

  • Gelenkpunktion : Entnahme von Flüssigkeit zur Untersuchung auf Infektionen oder Kristalle. Die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) erklärt die Methode.
  • Kortison-Injektionen : Linderung bei Arthrose- oder RA-Schüben, jedoch max. 3–4 Mal jährlich.

Krankheitsmodifizierende Therapien

  • RA-Behandlung : DMARDs (z. B. Methotrexat) oder Biologika (z. B. TNF-Hemmer) unterdrücken das Immunsystem. Die DGRh betont die frühe Anwendung innerhalb von 3 Monaten nach Diagnose.
  • Neue Therapien : JAK-Hemmer oder Stammzellentherapien für therapieresistente Fälle. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert Studien dazu.

Operationen

  • Gelenkersatz : Bei schwerer Arthrose an Hüfte oder Knie. Moderne Prothesen halten 15–20 Jahre (Quelle: DVOU ).
  • Arthroskopie : Minimalinvasive OP bei Bänderrissen oder Knorpelschäden.

Physiotherapie

Individuelle Übungsprogramme stärken Muskeln und Stabilität. Eine Studie in Physiotherapie aktuell zeigt 40 % weniger Schmerzen bei Kniearthrose.

Besondere Fälle und ergänzende Therapien

Gicht :
Behandlung mit Allopurinol (senkt Harnsäurespiegel) und Ernährungsumstellung (Verzicht auf rotes Fleisch, Alkohol). Die Deutsche Gesellschaft für Gicht und Hyperurikämie bietet Patientenratgeber an.

Fibromyalgie :
Kombination aus Antidepressiva (z. B. Duloxetin), Verhaltenstherapie und Ausdauersport. Der Deutsche Fibromyalgie-Verband informiert über ganzheitliche Ansätze.

Komplementärtherapien :

  • Akupunktur und Glucosamin/Chondroitin-Präparate : Studien zeigen uneinheitliche Ergebnisse, können aber bei Einzelfällen lindern. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) bewertet deren Evidenz.

Ausblick bei Gelenkschmerzen

Die langfristige Prognose variiert je nach Ursache, Schweregrad und Behandlungsbeginn. Viele Fälle hängen mit Arthrose zusammen, einer degenerativen Knorpelabnutzung. Laut der Deutschen Rheuma-Liga leben rund 5 Millionen Menschen in Deutschland mit Arthrose. Obwohl nicht heilbar, lassen sich Beschwerden durch gezielte Maßnahmen oft gut kontrollieren.

Schmerzen können jedoch auch auf ernste Erkrankungen wie rheumatoide Arthritis (RA) oder Infektionen hinweisen. RA erfordert frühzeitige Therapie mit Krankheitsmodifizierenden Antirheumatika (DMARDs) , um Gelenkzerstörung zu verhindern. Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) betont, dass eine frühe Behandlung bei 50–70 % der Fälle Remission erreichen kann.

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